Das Unsichere ist sicher

Antriebstechnik im Automobil der Zukunft

Antriebstechnik im Automobil der Zukunft

Hans Werner Aufrecht, Gründer und langjähriger Miteigentümer des Unternehmens AMG, gibt dem Wasserstoff als Antriebstechnologie eine realistische Zukunftschance. Zeitungsberichten zufolge plant er mit durchaus namhaften Partnern wie dem ADAC oder der DEKRA eine Rennserie für Autos mit Wasserstoffantrieb.

An mangelnder Performance der Fahrzeuge wird die Serie kaum scheitern. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, sind die Rennwagen 800 PS stark und beschleunigen in weniger als drei Sekunden von null auf hundert – und das ohne Verbrennungsmotor.

Für den Wasserstoff spricht, dass die Technologie schon lange bekannt und im Grunde verfügbar ist. Zweifler verweisen allerdings darauf, dass bei deutschen Herstellern zwar seit zwanzig Jahren über den Einsatz von Brennstoffzellen in Serienfahrzeugen geredet wird, den Ankündigungen aber bisher so gut wie keine Taten gefolgt sind. Als hauptsächliche Schwachpunkte werden die geringe Reichweite der Fahrzeuge und das allzu weitmaschige Netz an H2-Tankstellen benannt. Zwar braucht das Betanken mit Wasserstoff nur wenige Minuten, doch wenn keine Zapfstelle in der Nähe ist, nützt das in Summe wenig. Diese Lücken in der Infrastruktur hat der Wasserstoffantrieb mit dem reinen Elektromotor bis auf Weiteres gemeinsam.

Kein Zweifel: Die Automobilindustrie befindet sich im Umbruch. Dafür sprechen auch die regelmäßigen Gipfeltreffen zwischen Wirtschaft und Politik. Bei diesen Gesprächen wird darum gerungen, welche Antriebsart gefördert werden soll und welche nicht. Eine Entscheidung darüber fällt auch deshalb so schwer, weil die langfristigen Perspektiven der einzelnen Technologien weitgehend unklar sind.

Was sagt die Forschung? Prof. Dr. Engelbert Westkämper, emeritierter Hochschullehrer und früherer Leiter des Fraunhofer IPA, plädiert für eine differenzierte Betrachtung. In seinem Vorwort zum eBook „Potenziale strategisch erschließen“ verweist er unter anderem darauf, dass auch der Verbrennungsmotor noch nicht am Ende seiner Entwicklung angelangt ist. Auf Basis künstlicher Kraftstoffe, so genannter E-Fuels, könnte die herkömmliche Antriebstechnik eine Renaissance erleben. Tatsächlich setzen Hersteller wie Porsche neben Elektromotoren auf diese Strategie. E-Fuels lassen sich grundsätzlich klimaneutral produzieren und fänden in den Tankstellen eine funktionierende Infrastruktur vor.

Egal wie, die einseitige Fokussierung auf den Elektromotor könnte sich als Sackgasse erweisen. Vielmehr, so Prof. Westkämper, ist mit wachsender Vielfalt zu rechnen. Die einzelnen Technologien setzen sich dort durch, wo sie den größten Nutzen versprechen. Verbrennungsmotoren im individuellen Fernverkehr, Elektroantriebe in Ballungsräumen und Brennstoffzellen bei Nutzfahrzeugen und Bussen.

Jeder Automobilhersteller muss vor dem Hintergrund seiner Kunden und Märkte entscheiden, wie er sich im Wettlauf der Technologien positionieren will und kann. Das ist vor allem eine Frage der Strategie und des daraus abgeleiteten Programms.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.