Restrukturierung: Geballte Kompetenzen

Das Zusammenspiel der Disziplinen in Sanierungsprojekten

An der Restrukturierung von Unternehmen sind immer Experten verschiedener Disziplinen beteiligt. Das ist auch notwendig, weil wirtschaftlich-finanzielle, technisch-organisatorische und juristische Perspektiven gleichermaßen wichtig sind. Aber: Wer hat den Hut auf? Die Antwort auf diese Frage hängt stark davon ab, in welchem Krisenstadium sich das Unternehmen und in welcher Phase sich ein Restrukturierungsprojekt befindet. Ein Überblick.

Grundsätzlich kann man die Faustregel aufstellen: Je tiefer die Krise, desto größer die Bedeutung der Finanzexperten. Drohen Liquiditätsengpässe oder gar eine Insolvenz, muss in erster Linie die Liquidität gesichert werden. Zumeist, indem mit Banken und Kapitalgebern verhandelt wird. Das ist die Domäne von „Finance“, deren Experten sind in erster Linie gefragt. Haben die Verhandlungen keinen Erfolg, droht Schlimmeres. Wird tatsächlich ein Insolvenzantrag gestellt, sind die Würfel zunächst gefallen. In Gestalt von Insolvenzverwaltern übernehmen Juristen das Ruder.

Solche Worst-Case-Szenarien sollten jedoch die Ausnahme bleiben. Viele Wege führen zurück zum Erfolg. Beim Aufzeigen und Beschreiten dieser Wege ist vor allem die Technik im Lead. Wirtschaftliche Probleme haben ihre Ursache zumeist in den betrieblichen Prozessen. Diese Problemursachen zu finden und nachhaltig zu beseitigen, ist eine technisch-organisatorische Aufgabe, ein Job für Ingenieure. Diese sind auch dann in der Führungsrolle, wenn nur leichte Krisensymptome erkennbar sind.

Nicht jede Krise endet bei der Bank – auf diesen plakativen Nenner könnte man die Abstufung unterschiedlicher Krisenszenarien bringen. Das kann ganz harmlos beginnen, nämlich indem ein Business Case seine wirtschaftlichen Ziele verfehlt. Einbußen bei der Rendite sind die zwangsläufige Folge. Wiederum ist es primär die Technik, die für Ursachenanalyse und Problembeseitigung sorgt. Je früher man eingreift, desto leichter fällte der Umschwung. Auch diese Aussage stimmt.

Juristen kommt bei Sanierungsprojekten eine Art Querschnittsfunktion zu. Restrukturierungen können in Betriebsverlagerungen und -übergänge münden. Hier tauchen zwangsläufig Fragen zum Gesellschaftsrecht auf, die nur Juristen zuverlässig beantworten können. Gleiches gilt für arbeitsrechtliche Konsequenzen. Erfahrene Rechtsberater nehmen hier häufig eine Moderatorenrolle ein und führen gegensätzliche Standpunkte zu einem tragfähigen und rechtssicheren Konsens. Mit Streit ist niemand gedient.

Kurzes Fazit: Restrukturierung ist ein Gemeinschaftswerk, an dem Betriebswirte, Ingenieure und Juristen gleichermaßen beteiligt sind. Wohl dem Unternehmen, das all diese Kompetenzen „aus einer Hand“ bekommen kann. Und dem es damit gelingt, existenzielle Krisen frühzeitig zu vermeiden – oder schadlos zu überstehen.

Zum Jahresausklang 2020 sei noch ein Hinweis in eigener Sache erlaubt: Anfang nächsten Jahres wird in unserer Edition Hanselmann ein eBook zum Thema „Restrukturierung“ erscheinen. Das inhaltliche Credo: Mit vereinten Kräften rechtzeitig gegen die Krise! Wir werden wieder berichten.

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